Neue ADAC-Serie: Die Zukunft des Autos (Teil 2)

Das aktuelle Clubmagazin der ADAC-Mitglieder “ADAC Motorwelt ” bringt beginnend mit der Heftausgabe Nr. 10 Oktober 2008 eine neue informative Artikelserie mit dem Titel “Alternative Antriebe - Die Zukunft des Autos “. In den bevorstehenden 5 Leseartikeln werden folgende Themen angesprochen:

Allen Nicht-ADAC-Mitgliedern und Autofans würde ich raten sich das monatlich erscheinende Clubmagazin von einem aktiven Mitglied zu krallen und darüber zu lesen wie wir uns morgen fortbewegen werden und an welchen Möglichkeiten die Autoindustrie weltweit derzeit mit Nachdruck arbeitet. Hier bei uns gibt es eine kleine Zusammenfassung des gedruckten Materials.

Teil 2 Elektro

Als erstes unter den alternativen Antrieben geht Autor Thomas Kroher auf den Elektroantrieb ein. Um die Alltagstauglichkeit von Elektromobilen der neuen Generation zu testen, haben die ADAC-Redakteure es nach anfänglichen Schwierigkeiten geschafft bei Mercedes-Benz den Smart ED (ED steht für Electrical Drive) für eine Woche zu bekommen. Zwar testet Daimler schon in der Londoner City mit 100 Exemplaren die Vermarktungstauglichkeit, aber auf deutschem Boden fuhr noch kein Elektroauto ohne Aufsicht der Ingenieure. So befürchtete man aller Wahrscheinlichkeit nach einen technischen Eklat, aber anscheinend unbegründet.
Das 41 PS-starke (oder schwache) City-Ei fährt sich laut Testfahrer wie ein normaler Smart Fortwo - Fahrwerk, Lenkung und Platzangebot sind nahezu identisch, so dass man nichts von einem Protoypen merkt. 120 km//h bringt das Elektrovehikel an Spitzengeschwindigkeit und diese Geschwindigkeit ist in Deutschland selbst auf den Autobahnen annehmbar. Der Schwachpunkt dieses Gefährts ist und bleibt die Antriebszelle wie von uns schon in unserem Artikel über Elektromotoren erwähnt. Die Reichweite einer Batterieladung reicht gerade mal 110 km weit, für den Alltagsstadtverkehr und Kurzfahrten-Pendler zur Arbeit und zurück als Zweitwagen-Anschaffung wäre der ED auf alle Fälle eine Alternative. Mit der 60 kg schweren im Fahrzeugboden untergebrachten Energiequelle kann man jedoch bei längeren Reisen nicht viel anfangen. Auch die viel zu lange Wiederaufladungszeit an der Haussteckdose von 8 Stunden ist momentan nicht akzeptabel, eine viel zu lange Zeit um dieses Fahrzeug als Erstfahrzeug alltäglich nutzen zu könen. Da mag der Zero Emission-Effekt noch so toll sein und das Umweltgewissen des Endverbrauchers ansprechen, eine Marktreife und hohe Nachfrage wird dieses Elektroauto unter diesen Vorzeichen nicht erreichen. Zwar gibt es schon effizientere Lithium-Ionen-Akkus aber bei einem Stückpreis von ca. 15 000 Euro alleine schon für die Batterie, sind Elektroautos ausgestattet mit dieser Antriebszelle der nächsten Akkumulator-Generation preislich nicht wettbewerbsfähig. Zwar erreicht der Tesla Roadster gerade mit diesen neuen Akkumulatoren eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h und soll anscheinend eine Reichweite von 365 km ermöglichen, doch bei einem Stückpreis von rund 117 000 Euro ist dieses Gerät ein Luxusmobil und wenn man längerfristig gesehen den Planeten retten will, so muss die große Masse sich auch diese Technologie leisten können. Die Rreichen und Wohlhabenden haben nicht das Emissionseinsparpotenzial um für Nachhaltigkeit zu sorgen.

Aber auch bezüglich der CO2-Klimabilanz kann beim Smart ED der Hund begraben liegen. Denn von einem ZEV (Zero Emission Vehicle) kann man erst sprechen, wenn der konsumierte Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind, Wasser und Sonne stammt und nicht durch das Verheizen in Kohlekraftwerken erzeugt wird. Dann nämlich beträgt der heruntergerechnete CO2-Ausstoß des Smarts in Deutschland bei 107 g/km und das ist bedeutend schlechter als beim Verbrennen von Benzin. Stammt der Strom aus einem Energiemix so ist man mit 71 g/km dabei, dies ist dann sogar besser als beim Verbrennen von Diesel dessen Ausstoß bei 88 g/km liegen würde. Kommt der Storm alleine durch die Windkraft zustande, läge die CO2-Bilanz des Smarts bei sagenhaften 2,5 g/km, doch da wir flächendeckend in Europa nicht dieses Stromversorgungsnetz haben, sind diese Werte rein rechnerisch und utopisch. Hybrid-Modelle wie der Toyota Prius oder der Honda Civic weisen hier schon erheblich bessere Werte auf, vor allem da wir hier auch von vollwertigen Kompaktklasse-Limousinen sprechen, die auch für den Reisemodus genutzt werden können. Auch Mitsubishi steht kurz vor der Serieneinführung ihres i-MiEV Konzepts auf dem japanischen Markt. MiEV steht dabei für Mitsubishi innovative Electric Vehicle und hat schon die neueste Lithium-Ionen-Akkutechnologie an Bord. Dieses ermöglicht 140 km/h Spitze und eine bessere Reichweite von 160 km. Durch duale Steckdosen kann das Fahrzeug bei Starkstrom in 30 Minuten und bei herkömmlicher Stromdosis in 7 Stunden aufgeladen werden. Auch ist der MiEV ein Minicar im A-Klasse-Format für 4-5 Insassen. Da muss sich Daimler aber sputen um den Anschluss in den nächsten Jahren nicht zu verpassen. Wie der MiEV preislich ausehen wird, steht noch nicht fest, aber ich schätze mal, dass er sich etwa im Kleinwagen-Preissegment bewegen wird zwischen 15 000 und 20 000 Euro. Dies bedeutet also, daß wir in längerer Sicht an mehreren Tankstopps mit halbstündigen Aufenthalten an Starkstrom-Tankstellen nicht umhin kommen.

Auch die Amis sind nicht untätig auf dem Gebiet des Elektroantriebs. General Motors plant mit seinem E-Flex-System Volt unter Chevrolets Flagge ab 2010 ebenfalls ein reines Elektrofahrzeug auf den Serienmarkt zu werfen. Das Auto sieht nicht nur gut aus, sondern kann im Stadtbetrieb ebenfalls ähnliche Leistungen aufweisen wie der Smart ED und Mitsubishi i-MiEV, aber bei einer viel höheren Komfortausstattung wie wir bereits in unserem Artikel von der Frankfurter Messe berichtet haben. Noch zukunftsweisender halten wir den Dodge Zeo. Verspricht man uns hier doch eine maximale Reichweite von 250 km bei einer Beschleunigung von 0-100 in unter 6 Sekunden. So schnell muss es dann doch nicht sein, der 08/15-Konsument erwartet keine hohen Beschleunigungswerte sondern niedrige Verbrauchswerte, bezahlbaren Unterhalt, Alltagstauglichkeit und 4-Personen-Beförderungskapazität. Eben all das was wir schon jetzt haben, aber eben zu Lasten der Umwelt.

Abschließend dürfen wir uns nicht dem Irrglauben hingeben, Elektrofahrzeuge seien eine neue Technologie, die im Kommen ist. Der Franzose Gustav Trouvé erfand schon 1881 das erste Elektrovehikel mit Blei-Akku. Um die 19-te Jahrhundertwende fuhren in Amerika schon fast die Hälfte aller Automobile mit Strom, doch der sinkende Ölpreis liess die Entwicklung in eine andere Richtung verlaufen, hin zum Verbrennungsmotor. Erst jetzt versucht der homo ökonomicus rasant in kurzen Jahrzehnten das nachzuholen, was wir seit einem Jahrhundert verschlafen haben - Fortkommen ohne Klimachaos.

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