Neue ADAC-Serie: Die Zukunft des Autos (Teil 3)
Das aktuelle Clubmagazin der ADAC-Mitglieder “ADAC Motorwelt ” bringt beginnend mit der Heftausgabe Nr. 10 Oktober 2008 eine neue informative Artikelserie mit dem Titel “Alternative Antriebe - Die Zukunft des Autos “. In den bevorstehenden 5 Leseartikeln werden folgende Themen angesprochen:
- Heft-Nr. 10 Oktober 2008: Teil 1 Der Auftakt
- Heft-Nr. 11 November 2008: Teil 2 Elektro
- Heft-Nr. 12 Dezember 2008: Teil 3 Wasserstoff
- Heft-Nr. 1 Januar 2009: Teil 4 Brennstoffzelle
- Heft-Nr. 2 Februar 2009: Teil 5 Alternative Kraftstoffe .
Allen Nicht-ADAC-Mitgliedern und Autofans würde ich raten sich das monatlich erscheinende Clubmagazin von einem aktiven Mitglied zu krallen und darüber zu lesen wie wir uns morgen fortbewegen werden und an welchen Möglichkeiten die Autoindustrie weltweit derzeit mit Nachdruck arbeitet. Hier bei uns gibt es eine kleine Zusammenfassung des gedruckten Materials.
Teil 3 Wasserstoff
Im dritten Teil nimmt der ADAC-Reporter Wolfgang Rudschies den gepriesenen Wasserstoffmotor aufs Korn und beäugt dessen Vor-und Nachteile. Dies tut er am Beispiel des oft auf Messen gezeigten BMW-Projekts Hydrogen 7 auf Basis der 7er Baureihe. Man könnte hier anhand des Namens leicht den Eindruck bekommen es handele sich um einen völlig neukonzipierten Wasserstoffantrieb -und motor, was aber leider nicht der Fall ist. Eigentlich handelt es sich hier um einen Hybridmotor, denn BMW kombiniert seinen V12-Benzinmotor mit einer Wasserstoffzufuhreinheit, die an den konventionell klassischen Verbrennungsmotor angebaut wird. Dies ermöglicht den sogenannten bivalenten Antrieb des Fahrzeugs, was anhand der gerade mal 4 Wasserstofftankstellen in Deutschland (1x in München, 2x in Berlin und 1x in Frankfurt) sehr vorteilhaft ist.
Wasserstoff hört sich gut an und ist auf Grund seiner fast unbegrenzten Vorkommen auf unserem Planeten der Wundertreibstoff der Zukunft. Der Irrglaube liegt aber darin, daß man nicht einfach 50 Liter gewöhnlichstes Trinkwasser vom Wasserhahn einfüllen und dann damit 500 km zurücklegen kann. Wasserstoff wird zwar aus Wasser gewonnen, aber in einem sehr komplizierten industriellen Verfahren so stark verdichtet und auf Minusgrade heruntergekühlt, das es erst dadurch seine explosiven Eigenschaften bekommt, die für den Antrieb eines Verbrennungsmotors vonnöten sind. BMW benutzt zum Antrieb ihres Wasserstoffvehikels minus 253 Grad kalten Wasserstoff, der in einem speziellen Tankbehälter im Kofferraum untergebracht ist. Der Test-und Forschungswagen verbraucht 3,5 kg auf 100 km. Rein rechnerisch kostet dieser Zaubertrank auf 100 km etwa 28 Euro und das ohne Mineral-und Ökosteuer, im Vergleich dazu entstehen beim herkömmlichen Benzinmotor Gesamtkosten inkl. Steuern von 22 Euro. Natürlich ergibt sich dieser gewaltige Preisunterschied nicht nur durch die mangelnde Verfügbarkeit von Wasserstoff auf dem Markt, es wurde auch ein Schreibtisch-Kg-Preis zugrunde gelegt, denn einen Marktpreis für Wasserstoff gibt es derzeit noch gar nicht.
Aus diesem Grund ist auch bei BMW der Hydrogen 7 vorerst mal auf bivalenten Antrieb ausgelegt. Das erfordert doppelte Tankanzeige (für Benzin in Liter und Wasserstoff in kg), doppelte Einspritzsysteme, doppelte Krafstoffversorgung samt 2 Tanks, Treibstoffleitungen und Ventile, wie auch eine Elektronik, die den Betrieb von Wasserstoff auf Benzin steuert. Daß man diese gesamte Technik nicht so leicht in einen 1er BMW unterbringt um noch ein wenig Platz für Insassen und Gepäck zu haben, ist logisch. Dafür entlastet man aber die Umwelt mit Schadstoffwerten, die noch utopisch klingen: nur 5 gr/km CO2 im reinen Wasserstoffbetrieb. Natürlich darf dieser Wasserstoff aber nur mithilfe erneuerbarer Stomlieferanten wie Wind, Wasser und Solar hergestellt worden sein, nutzt man Wasserstoff aus Erdgas-Kraftwerken, so liegt der CO2-Wert mit 260 gr/km um einiges über dem herkömmlichen Diesel-und Benzinbetireb. Hier liegt auch das größte Dilemma von wasserstoffangetriebenen Fahrzeugen: wo soll diese Menge an umweltverträglich hergestellten Wasserstoff herkommen? Infrastrukturen dafür sind fast kaum vorhanden. Dennoch setzt BMW laut dem Interview mit Wolfgang Strobl, dem Leiter Entwicklung für alternative Antriebe und Forschung, voll auf den Wasserstoffmotor und nicht wie andere Hersteller auf die Brennstoffzelle. Zwar arbeite BMW mit dem US-Konzern UTC ebenfalls an der Brennstoffzellentechnik, aber eine reine Brennstoffzellenlösung biete im Hinblick auf den Gesamtwirkungsgrad noch keine Vorteile zur Wasserstoff-Verbrennungsmotor-Kombination. Aus diesem Grund gehe die Wasserstoff-PKW-Flotte auch in seine 2-te Phase über - zum CEP-Projekt in Berlin schließen sich nun auch andere deutsche Automobilhersteller an und man erhöhe damit den Demonstrations- und Erprobungsfuhrpark von 16 auf 40 Fahrzeuge.
Abschließend zieht Hr. Rudschies sein Resüme und bemerkt, dass BMW mit dem Hydrogen 7 seine Alltagstauglichkeit und Serienreife schon eindrucksvoll demonstriert, die Geschichte vom reinen Wasserstoffantrieb stehe aber noch am Anfang des Zukunftsmobils.
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